Mittwoch, 24. Juni 2009

Hilfe! Werbung bei "Bookrix"!

„Bookrix“ ist eine Internetplattform für Autoren und Autorinnen und solche die es werden wollen. Hier kann man ganz leicht – selbst für eine Blondie wie mich – sein „Buch“ (hier handelt es sich meist um Kurzgeschichten/Auszüge) erstellen, mit einem coolen Cover versehen und online stellen: schaut her! Hier bin ich!
Man kann auch Freundschaften abschließen, sich in Foren austauschen, Gruppen gründen, „Facebook“ für Bücherratten also.
Großes Lob an die Programmierer dieses wirklich einfach zu bedienenden Tools.

Bei „bookrix“ gibt es auch Wettbewerbe. Momentan läuft auch wieder einer: Schneller, höher, weiter!
Für diesen Wettbewerb meldet man sein Buch an und andere Leser bewerten dann dieses Buch als lesenswert, vergeben Sternchen und Pokale, oder schweigen, und am Ende des Wettbewerbes gewinnt das „Buch“ mit den meisten positiven Bewertungen.

So weit, so gut.

Nun ist aber in den Foren bei „bookrix“ ein Aufschrei zu Gange. Und nicht zum ersten Mal. Höher, schneller, weiter: aber bitte ohne Werbung! Schiebung wird gemunkelt, „ungerecht“, die Gewinner stehen ja schon vorher fest, wer viele Freunde hat wird gut bewertet, Qualität bleibt auf der Strecke, ich mag nicht mehr mitmachen!

Armes Deutschland! Arme Heimat!

Was ist passiert?

Einige Autoren sind Gott sei Dank Marketing-Genies! Sie schließen Freundschafen, sie fragen bei anderen nach „Hey, magst du mich vielleicht auch mal lesen? Und bei Gefallen, auch bewerten?“ Manche sind frecher, die lassen das „bei Gefallen“ weg. Oder sie lesen und bewerten selber viele andere Autoren. Natürlich geht diese Rechnung meistens auf. Und warum auch nicht? Jeden Autor interessiert in der Regel doch, was ein anderer geschrieben hat, von dem man ein Lob bekommt.
Und dann gibt es anscheinend auch „Schüler“ bei „bookrix“. „Schüler“ die coole Geschichten schreiben und tolle Mangas zeichnen. „Schüler“ die ihre ganzen Lokalisten- und Klassen- und Facebook-Freunde aktivieren, sich bei „bookrix“ anzumelden um ihr „Buch“ zu lesen. Wahnsinn! Ein Verbrechen sonderesgleichen! Die machen ja Werbung für sich!
Armes Deutschland! Arme Heimat!
Noch immer wird hier Selbst-Marketing verteufelt, mit einem Stigma versehen.
Und was ist der große Vorwurf?
Es hat ja nicht „die beste“ Geschichte gewonnen!
What else is new?
Und?
Jeder Wettbewerb ist subjektiv! Selbst der “Bachmann-Preis” in Klagenfurt ist subjektiv!
Wenn man sich einmal mit „Lektoren“ unterhält, die hinter den Ausschreibungen stehen und erfährt wie viele Leute für einen „stimmen“ müssen, damit man es in die „Endausscheidung“ schafft, ist das objektiv? Oder Verlagsmitarbeiter fragt, wie ein „Neuling“ es in den Verlag geschafft hat, dann kann man ganz relaxt weiterschreiben.
Ja, es gehört auch Können dazu, aber auch Glück, und Zufall und nochmals Glück.
Aber, liebe Schreiberkollegen: es gehört auch ganz bestimmt Marketing dazu!
Wenn ich ein Verlag wäre, dann würde ich auf jeden Fall tausend Prozent lieber einen Autor unter Vertrag nehmen, der schon eine Fangemeinde hat, sich nicht scheut für sein Buch öffentlich zu werben, der aktiv ist. Denn ich möchte, dass mein Autor gelesen wird.

Auch ich bekomme Anfragen von „bookrix“ Usern, ob ich ihr Buch denn lesen mag.
Hallo? Warum denn nicht?
Nur, wie ich es dann mit dem Bewerten halte, das ist meine persönliche Geschmackssache.
Gefällt mir eine Geschichte, bekommt sie einen Stern, einen subjektiven Pokal, oder was auch immer.
Gefällt sie mir nicht, dann schreibe ich meistens dem Autor/der Autorin persönlich – von dem höre ich dann zwar nie wieder was, Kritik geben und empfangen ist einfach auch schwer – oder ich schweige und lese die nächste Geschichte.

Bei dem ersten „bookrix“ Wettbewerb hat ein zwei Seiten langes „Buch“ gewonnen.
Come on! Ist doch zumindest schnell zu lesen! Man muss sich nicht durch dreihundert stinklangweilige Seiten quälen. Ex und hopp!
Auch ich habe dieses Buch damals gelesen, sogar dreimal! Obwohl nicht wirklich schlecht geschrieben, fühlte ich mich irgendwie verarscht, ohne genau zu wissen wofür.
Ganz, ganz viele „bookrix“ User gerieten über dieses „Buch“ ins Schwärmen. Ganz, ganz viele schimpften in den öffentlichen Foren. Das Buch bekam viel Aufmerksamkeit und bekam die meisten Stimmen.
Lange blieb der Autor, „Rabenbruder“, eine geheimnisvolle Unbekannte. Irgendwann lüftete er sein Inkognito. Ich schaute mir seinen Blog an.
Ja, der Autor kann schreiben. Ja, dieses „Buch“ ist ein Beispiel für erfolgreiches Marketing. Ja, ich glaube immer noch, rein subjektiv versteht sich, verarscht zu werden. Ja, rein subjektiv, fand ich dieses „Buch“ nicht das „beste Buch“ im Wettbewerb. Aber: what else is new? Darüber weine ich nicht mein Kissen nass.

Im aktuellen Wettbewerb liegt der gleiche Autor momentan am zweiten Platz – und wieder gibt es Stimmung in den Foren.
Natürlich hab ich sein Buch gelesen und – Überraschung – ich fühle mich schon wieder verarscht, aber diese Mal in einer so intelligenten und rotzfrechen und ironischen Weise, das ich nichts anders machen konnte, außer: Stern und Pokal und Chapeau!
Ist es das „Beste Buch“ im Wettbewerb? Bestimmt nicht! Sicher nicht! Vielleicht! Mag sein! Ja! Nein!
Sucht euch eine Antwort aus, ich geh jetzt weiterlesen.
Wobei es mir dabei unter dem Lesen oft so geht, wie dem User „bloop2009“, nachzulesen in seinem Buch „Herr Bloop liest Bookrix Stories“. Dafür braucht man keine Worte.

Kommentare:

  1. Tja, wäre das nicht nett, wenn man literarische Qualität objektiv messen könnte?

    Den Vorwurf der Schieberei und des Selbst-Marketings kenne ich und ich verstehe den neid, der dahinter steht, denn darin bin ich auch nicht gut. Aber, wie du schon sagst, Leute, die Bücher verlegen, wollen Bücher verkaufen. Wenn ich jemanden finde, der schon einen Haufen Fans hat, wäre ich ja blöd, dem nicht den Vorzug zu geben.

    Scheint mir eine sehr deutsche Diskussion zu sein.

    AntwortenLöschen